Jamboree 1995

Das BdP Vorlager

Als Einstimmung auf unseren vierwöchigen Hollandaufenthalt stand Das Kontingentsvorlager. Es fand auf einem niederländischen Pfadfindergelände in Baarn statt. Neben den vier BdP-Trupps zu je 40 Leuten waren auch noch einige Trupps aus anderen Ländern da, wir schlossen auch schon die ersten Freundschaften. Auf dem Jamboree trafen wir dann noch 10 DPSG- und 9 VCP -Trupps, es waren also ungefähr 960 Teilnehmer aus Deutschland. wir schlossen auch schon die ersten Freundschaften. die BdP-Planung sah so aus, daß zwei Trupps vor und die anderen zwei nach dem Jamboree auf Kanu- und Fahrradtour gingen, da wir die Tour erst nach dem jamboree hatten, konnten wir von den Erfahrungen der anderen Trupps profitieren,

Von unserem Stamm waren Basti, Sören und ich dabei. Während der 5 Tage standen Kennenlernspiele, Stadtbesichtigung von Amsterdam und Schwimmbad auf dem Programm. Bei diesen Aktivitäten wurde uns ein erster Eindruck von Land und Leuten vermittelt.

Am ersten August war es dann endlich soweit: Das Jamboree begann.

Das Jamboree

1920 organisierte Lord Robert BadenPowell of Gilwell im Londoner Olympiastadion, also nicht "open air" (!), das erste Jamboree. Er führte auch schon den Begriff "jamboree", der im indianischen ursprünglich soviel bedeutete wie "Lautes Fest", ein und gab ihm die neue Bedeutung "Fröhlichste und angenehmste Versammlung Jugendlicher, die es je gegeben hat".

1937 hat schon einmal ein Jamboree in Holland stattgefunden, "Scouting Nederland" (der Gastgeberbund) hatte also schon Erfahrung. Nachdem wir mannigfaltige Sicherheitskontrollen durchlaufen hatten, wurden wir mit einem Bus über asphaltierte Lagerstrassen direkt bis zu unserem Platz gefahren . Das ganze Gelände (4 qkm) war in 14 Unterlager für je ca. 2500 Leute (also mehr als ein halbes Bundeslager!!!) eingeteilt. Insgesamt nahmen ca. 22500 Pfadfinderinnen und Pfadfinder und wertere 6000 Mitglieder des internationalen Servicepersonals (Stoff) teil. Obwohl der Lagerplatz in einem Polder, also unter dem Meeresspiegel lag, war er, ganz anders als in unseren Vorstellungen, keine matschige Wiese (wie zum Beispiel unser letztes Bundeslager?). Auch anders als bei uns war Feuer strikt verboten. Nur unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen (Löschfahrzeug!) wurde jeden Abend an der zentralen Feuerstelle im Subcamp ein "campfire" "veranstaltet".

Durch Gräben, Hecken und Straßen wurden die Unterlager voneinander getrennt. Angeblich wurde der Platz schon 17 (!) Jahre früher für ein Jamboree ausgewählt und seitdem natürlich auch entsprechend vorbereitet. In jedem Unterlager waren Quadrate abgesteckt, für jeden Trupp eins. Den ersten Tag verbrachten wir in brütender Hitze mit dem Aufbauen unserer Zelte: 2 Kohten pro Sippe und eine Dreier-Jurte als Koch- und Aufenthaltszelt. Am nächsten Tag fand die Offizielle Eröffnungsfeier statt. Über sämtliche Lagerstraßen erstreckten sich kilometerlange bunte Ströme von Pfadfindern, die alle in die Arena drängten. Auf der riesigen Bühne hielt die Königin Beatrix der Niederlande eine Ansprache und Eröffnete das Jamboree mit den selben Worten, wie ihre Mutter 1937. Auch der Camp Chief Hans van Ark ließ es sich nicht nehmen, eine Rede zu halten. Danach führten die holländischen Pfadfinder einige Tänze auf, die stark an die Eröffnungsfeier einer Olympiade erinnerten. Zum Thema jeder Aktivität (Survivaltrack, Musikzentrum...) gab es einen liebevoll gestalteten Wagen, die alle eine Runde um die Arena drehten. Am Sonntag blieb das Jamboree für Besucher geschlossen, weil der "Subcamp-day" stattfand. Jeder Trupp Bot irgend etwas landestypisches an, die Italiener kochten Spaghetti, die Japaner bastelten einfache Drachen, die Kanadier brieten Pfannkuchen mit Ahornsirup, unser Trupp bot unter anderem selber batiken und Haddak-Stempel basteln. Am Montag fand ein, doch relativ kommerzialisiertes, Popfestival mit einem doch eher unbekannten Sänger statt. es stand aber wenigstens unter dem Motto der europäischen Jugendkampagne "Alle anders – alle gleich ; All different – all equal".

Jedes Unterlager verfügte über ein riesiges Aufenthaltszelt, in dem man immer Eis und kalte Getränke kaufen konnte und an einer Tauschbörse von der Lilie bis zum Trachthemd alles tauschen konnte. Hier fand auch allgemeines Programm, wie zum Beispiel Disco statt. Mit unseren Nachbartrupps (aus Japan, England, Amerika und Holland) verstanden wir uns prächtig. Um sicherzustellen, daß sich keine Inoffiziellen auf dem Jamboree einschleichen Konnten bekam jeder Teilnehmer ein Lagerhalstuch das er immer tragen wußte. Bei allen offiziellen Veranstaltungen wußte Kluft getragen werden, was bei einigen Stämmen durchaus nicht selbstverständlich war. Von offiziller Seite wurde eine fast lächerliche Kleiderordnung ausgegeben, so wußte zum Beispiel das Kontingentsabzeichen (das im Übrigen auch mit das beliebteste Tauschobjekt war) am rechten Arm, und zwar sieben cm unterhalb der Schulter getragen werden.

Tagsüber wurden schier zahllose Aktivitäten angeboten. Da gab es zum Beispiel Segeln, Ausflüge, Nachtwan- derungen, Wattwanderungen, Ballonfahren (der Ballon wurde an einem Seil 50 Meter hoch gelassen, und nach 10 Minuten wieder eingeholt), Tauchen, Kanu- und Kajakfahren, Technik und vor allem den "survivaltrack". Hier mußten internationale Gruppen eine Reihe von Hindernissen überwinden. Neben all diesen Aktivitäten blieb aber auch genügend Freizeit, in der man Freundschaften schloß, andere Trupps besuchte oder durch die "Plaza" ( den Konsumtrakt, wo man vom Hamburger bis zur schwarzweißen Kuhzahnbürste alles kaufen konnte) bummelte. Nachmittags wurden in den Subcamps sportliche Wettkämpfe ausgetragen, im Fußball wurden wir Vice-Meister nach Italien, und im Badminton kamen wir auf den 17. Platz. Was auch immer ein Ritual für sich war, war die Essensausgabe und Zubereitung. Zwei sind mit dem Handwagen zur Essensausgabe, einem riesigen Kühlsattelschlepper, gefahren, danach wurde aus dem Jamboreekochbuch zubereitet. Das heißt, daß 24000 Pfadfinder das Gleiche gegessen haben!

Wir haben jede Menge Brieffreundschaften mit Pfadfindern aus aller Herren Länder, von der Schweiz über Italien bis nach Indonesien, Japan und Kanada geschlossen.

Beendet wurde dieses gigantische Ereignis am 10. August mit einem riesigen Feuerwerk, das ca. 25 Minuten dauerte und Gerüchten zufolge 500000 Gulden= 450.000 DM gekostet hat.

Die Nachtour Nach dem Jamboree verbrachten wir mit einem anderen deutschen Trupps in kleinen Gruppen drei Tage in Den Haag bei Gastfamilien. Das allgemeine Programm bestand aus einem Stadtrundgang mit Shop ping, Baden in der Nordsee und einem BarBeQ. Hier wurden dann auch die letzten Bekanntschaften geschlossen...

Nach dieser sehr erfreulichen Ruhepause ging unser Trupp auf eine Kanutour, der andere auf Fahrradtour. Wir fuhren mit den Kanus einmal im Kreis durch ein Naturschutzgebiet. Für die Übernachtungen trafen wir uns jeden Abend auf einem Campingplatz (die übrigens schon ein halbes Jahr vorher gebucht worden waren!).

Nach drei Tagen trafen wir den anderen Trupp in einem Pfadi-zentrum in Steenvijk :und tauschten die Kanus gegen die Räder.

Auch hier fand wieder ein BarBeQ statt. Danach gingen die Sippen mehr oder weniger getrennt auf Fahrradtour. Auf dieser reiften auch die letzten Probleme aus, es kam zu einem regelrechten "Regionenkrieg" innerhalb unseres Trupps zwischen Bayern und Nordrhein-Westfahlen. Mit den Pfadfindern aus aller Welt hatten wir uns Tage zuvor noch prächtig vorstanden und jetzt kam es dauernd zu "innenpolitischen" Streitereien. Am letzten Abend hatte dann auch noch die Antje (eine unsere Truppassistenten) Geburtstag. Um nicht schon wieder ein BarBeQ veranstalten zu müssen, besorgte unsere Truppführung ziemlich eklige und unpfadfinderliche Fastfood-päckchen mit undefinierbaren toten Tieren und Zeug. (Wie wir über 3 Ecken erfahren haben, soll es auch ein Nachtreffen geben, das aber mitten in der Schulzeit, in Norddeutschland stattfinden wird und wo deshalb von unserem Stamm wahrscheinlich keiner hinfahren kann.)

Alles in allem war Das Jamboree eine einmalige Erfahrung, ich kann nur jedem, der die Gelegenheit dazu hat, empfehlen auch mal auf ein Jamboree zu fahren!

Sascha

(Quelle Cosuanetenboten Nr. 24)