Am 30.07.1995 machten wir uns mitten in der Nacht (9:00 Uhr !) auf den Weg nach Polen. Unsere Fahrt führte uns zunächst an die Grenze zum Ostblock, nach Bayrisch-Eisenstein. Von dort ging es mit einem ungefähr 70 Jahre alten Bummelzug unter häufigem Umsteigen nach Warschau, die Hauptstadt von Polen. Als erste gute Tat verhalfen wir einem Schwarzmarkttauschier Arbeit. Im Stadtpark bereiteten wir uns dann erstmal einen starken Kaffee. Gestärkt machten wir uns auf den Weg nach Allenstein, wo wir die erste Konfrontation mit Zigeunern hatten (Scheiß Pack). Von Wildschweinen geweckt trampten wir mit fragwürdigen Vehikeln durch das Land, bis wir in einem Dorf nette Leute trafen, bei denen wir die folgende Nacht, geschützt vor wilden Tieren und streunenden Zigeunern, verbrachten. Am nächsten Tag gelangten wir in brütender Hitze teils mit dem Bus, teils per Anhalter, aber auch teils zu fuß nach Marienburg, wo wir das alte Schloß besichtigten. Dort wurde gerade ein Drittes-Reich-Film gedreht ("Der Erlkönig") bei dem als Requisiten Affen benutzt wurden. hoerby, geschäftstüchtig wie immer, wollte der deutschen Filmleitung den gesamten Bestand abkaufen, hat aber nicht geklappt.

Am nächsten Tag in Danzig gingen wir erst mal zum MC Donald's und quartierten uns in einer Studentenbude ein. Auf dem Flohmarkt entdeckten wir viele lustige Sachen: Nazihelme mit Einschußlöchern, Nazibücher, Nazikleidung und Antiquitäten. An der Ostsee waren wir auch!

Am nächsten Tag fuhren wir wieder in einen anderen Teil von Polen: in die endlosen Kiefernwälder im Süd-Westen Polens. Die erste Nacht verbrachten wir neben einem chemieverseuchten Bach. In den folgenden eineinhalb Wochen erlebten wir im 20-km-Umkreis um den Lagerplatz der Schwarzen Löwen in Funka viel tolle Abenteuer, durchdrangen im Schweiße unserer Angesichter wild verfilztes Unterholz, fanden Mutanten-Dörfer und Fußspuren eines größeren Raubtieres, gewährten Schlangen Unterschlupf in unseren Klufthemden, testeten die Grenzen unsrer Belastbarkeit, kämpften gegen die Naturgewalten und aufdringliche Förster und fanden idyllische Fleckchen Erde, an denen die Mißwirtschaft der vergangenen Jahrzehnte scheinbar spurlos vor rüber gegangen war und die zum Bleiben einluden.

Das Abschlußlager der schwarzen Löwen fand in einem fest installierten, mit Stacheldraht umgebenen Pfadfinderdorf statt. Die ersten Abende verbrachten wir mit Altrovern der Schwarzen Löwen und ertränkten unsere Sorgen in einheimischen Sitten (Vodka). Als dann so nach und nach die anderen Fahrtengruppen eintrafen ging der Stress los: Liebeskummer, psychische Abnutzungserscheinungen, Diebstähle im Dorfladen, Halstuchentzüge, Singeabendboykott unsererseits und nervige Wölflingsstreiche ihrerseits (hoerby‘s Affe geklaut und vergraben-> lauthals plärrendes hoerby scheucht noch lauter schreiende Kinder durch den Wald. Der Absch(l)usssingeabend war für unsere verwöhnten Trommelfelle eine einzige Tortur ("Das Weib" als Schnulzballade gesungen J .

Nach der Abreise der Schwarzen Löwen schlugen wir uns zu Fuß querfeldein nach Chojinice durch, von wo aus unsere abenteuerliche Heimreise begann: zuerst fuhren wir über Nacht nach Stettin (Zivilisation!-), wo wir bis zum Abend blieben. Dann fuhren wir über die Grenze nach Deutschland ein. Noch schnell ein Dreißig-Mark-Ticket gekauft und dann voller Vorfreude in den Wald gegammelt um der Gültigkeit unseres Tickets zu harren (zwei Tage). Nach zwei Tagen Nervenzerreißender Bahnfahrt erreichten wir endlich wieder München Hbf. The end

P.S.: Wir (Markus H. & hoerby L.) waren außer den Jamboree - Fahrern die einzigen von unserem Stamm, die im Sommer '95 auf Fahrt waren SCHWACH!

by Markus H. & Sascha copyright 20.3.96

(Quelle Cosuanetenboten Nr. 24)

 


 



 

 

Mazurische und Pommersche Seenplatte 30.07. bis zum 19.08. 1995