RR-Fahrt vom 1. - 4. November 2012
in den Böhmerwald

3 Leute durch 10.000 Meilen getrennt, wollen auf Fahrt gehen. Aber wie zur Hölle kommt man auf Tschechien im Winter?  Naja, nachdem die Schweiz wegen zu viel Schnee nicht mehr so hoch im Ranking stand - kamen wir auf den Böhmerwald.

1. November 2012

In aller Frühe sammelte der Hoerby, erst den Gre in Obermenzing ein, und eine Stunde später schlugen wir beim David in Ingolstadt zum Frühstücken auf. Gut gestärkt (an Stärkung sollte es auf der gesamten Fahrt nicht mangeln) ging es dann auf nach Haidmühle, einer kleiner, nicht gerade irre einladender Ort an der Deutsch-Tschechischen Grenze.
Auf dem Parkplatz abgestellt, explodierte zunächst unser gesamtes Material aus Herby’s Kofferraum. Ein Berg an Material musste auf drei winzige Rucksäcke verteilt und fest verzurrt werden.
Zu Fuß ging es dann über die Grenze und in Nuove Udoli bestiegen wir in einen relativ modernen Schienenbus um ganze zwei Stationen, so ca 10km, damit zu fahren. Nach einer Stunde wartezeit, wurde die Fahrt in einem alten Schienenbus fortgesetzt der gut eineinhalb Stunden für die 60km nach Cesky Krumlov brauchte, wo wir dann nochmals umsteigen mussten bis wir unseren heutigen Bestimmungsort Trisov erreichten.
Mittlerweile war es komplett dunkel, es war aber eigentlich auch keine lange Strecke mehr geplant. Auf einer kleinen Strasse ging es in nord-östliche Richtung zu Burg Divci Kamen, wo wir hofften einen ausgefallen und abenteuerlichen Lagerplatz zu finden.
Es ging den Weg entlang zum Flusstal hinunter, über eine kleine Brücke zum Fusse des Berges auf dem die Burgruine trohnte. Im Dunkeln konnte man am steilen Hang noch ein paar Mauerreste in der Höhe ausmachen, die sich leicht gegen den Himmel abhoben. Ein kleines Haus mit Hund, von dem Lichtschein auch die Bewohnung anzeigte, ließ uns dann aber nicht die Burg erklimmen, sondern im Tal in einen Wanderweg einschlagen, der wieder etwas den Hang hinauf und tiefer in den Wald führte.
Nicht weit fanden wir einen super Lagerplatz unterhalb der Burg, der wie für unsere Kothe gemacht schien und auch bereits eine mit Steinen abgegrenzte Feuerstelle anbot. Wir wähnten uns dort absolut in versteckter Sicherheit. Eine halbe Stunde suchten wir dann zunächst Einbaum und Kothenkreuz, während Herby sich dann daran machte die Kothe quasi im Blindflug alleine hinzustellen. David und Gregor versuchten ihr Glück bei der  Feuerholz Suche, was sich als überraschend schwierig herausstellte. Innerhalb von zehn Minuten stand das Zelt, und nach einigen Startschwierigkeiten mit gut durchgefeuchtetem Holz, züngelten die Flammen in den Nachthimmel und zu dem Rauschen des wilden Baches kamen die Klänge der Gitarre und das Chilli brodelte wohlriechend im Topf. Kurz nach Mitternacht verlagerten wir dann schließlich den Abend in die Kothe.

2. November 2012

Sowie der nächste Morgen anbrach stellten wir fest, dass unser Lagerplatz,ebenso wie die Festung, strategisch günstig auf einer Kuppe lag. So konnten wir das Geschehen auf der Strasse und am nahegelegenen Bach bestens überblicken, andererseits konnte auch jeder unseren Lagerplatz sehen.
Nach einem ausgiebigen Frühstück verpackten wir unserer Festung wieder in die drei Rucksäcke und machten uns auf den Weg.
Bei schönsten Wetter eroberten wir zunächst die Burg Divci Kamen (www.divcikamen.cz). Aufgrund der abgeschiedene Lage, umgeben von wilder Natur, stellt die Ruine einen idealen Schauplatz für ein Geländespiel dar. Wir entschlossen uns diesen Gedanken fest im Hinterkopf zu behalten.
Dann ging es den steilen Hang hinauf zurück in die Ortschaft Trisov, wo wir zunächst einkaufen wollten um anschließend, aufgrund fortgeschrittenen Stunde, mit dem Zug einen Teil unserer geplanten Etappe zurückzulegen.  Ein bisschen Chaos mit den Öffnungszeiten und Zug- und Busfahrplänen (“Zug macht Pause” - machte er aber dann doch nicht) liießen uns dann doch wieder zum originalen Plan zurückkehren und so machten wir uns dann doch gegen 15:00 zu Fuß in Richtung Cesky Krumlov auf.
Unweit des Ortes, ca zwei Kilometer in den Wald hinein, fanden wir auch schnell einen super Lagerplatz hinter einer Fichtenschonung, welcher, im Gegensatz zum Vorabend, auch genügend Holz für ein ordentliches Feuer bot.
Bei langsam einsetzender Dämmerung stand die Kothe, die Feuerstelle war hergerichtet und auch bald entzündet. Nach dem etwas kümmerlichen Feuerchen vom letzten Abend, ging es diesmal ziemlich heiss her. Diesesmal mussten wir eher wieder Holz runternehmen, damit wir nicht mit unseren Isomatten verschmolzen wurden. Zum Abendessen gab es Nudeln mit quasi allen Sorten Wurst die wir im Angebot hatten. Dabei geriet uns das Maß etwas ausser Kontrolle und so sehr wir es versuchten, war am Ende nur der halbe Topf geleert.
Den restlichen Abend verbrachten wir dann bis tief in die Nacht hinein am Feuer, ehe wir uns dann in der Kothe schlafen legten. Bei Gitarre, Gesang und spannenden Geschichten, vergeht die Zeit eben wie im Fluge.

3. November 2012

Am nächsten Morgen ging es dann weiter durch einen wunderschönen, sonnendurchfluteten Herbstwald Richtung Cesky Krumlov. Gre’s GPS Navigations Planung brachte uns immer wieder schöne und manchmal auch sehr steile Abkürzer, durch teils unberührte Natur.
Als wir dann am frühen Nachmittag den Bahnhof von Cesky Krumlov erreichten, stellten wir fest, dass der normale Supermarkt am Samstag nur bis 11:00 Uhr auf hat und wir doch eigentlich noch etwas Frühstück für den nächsten Morgen einkaufen wollten. Nach etwas rumfragen fanden wir aber einen hilfsbereiten alten Herren, der David und Herby erst nur zur Hauptstrasse bringen wollte dann aber doch die komplette Strecke zum Supermarkt fuhr. Er ist dann sogar mit uns Einkaufen gegangen, nur um uns am Ende wirder zurück zum Bahnhof zu fahren, wo Gre uns bereits samt Gepäck erwartete.
Um 16:56 Uhr ging es dann mit dem Zug ab, mit dem heutigen Ziel Stozec, unweit der Grenze, wo wir unser letztes Lager dieser Tour aufschlagen wollten. Laut Fahrplan fuhr der Zug direkt dahin, ohne Umsteigen oder Zug wechseln und auch der Schaffner verkaufte uns ohne weiters ein Ticket welches Stozec klar als Zielbahnhof angab. Nach einer Stunde erreichten wir Horny Plana, wo dann der Schaffner wechselte. Sowie wir dem neuen Schaffner unser Ticket zeigten meinte er nur “hmmmmm..Näää” und unterstrich seine skeptische Aussage mit einer abwiegenden Handbewegung. Wir waren und nicht ganz so sicher was er damit zum Ausdruck bringen wollte. Es machte allerdings den Eindruck, als wolle er uns eher davon abraten in Stozec auszusteigen. Eine Haltestelle vor unserem Ziel allerdings erklärte uns der Schaffner dass wir jetzt aussteigen müssen - der Zug endet hier und fährt wieder zurück. Etwas überrascht waren wir dann schon, es war ja auch schon stockdunkel und der Bahnhof, den wir schon von der Herfahrt kannten, ist einer der verlassensten Bahnhöfe die wir seit langem gesehen hatten. So fragten wir ob denn dann vielleicht ein Bus weiter fahren würde, oder der nächste Zug bald kommen werde. “NIX!” war da die Antwort - und das wars. Auch sehr passend an diesem Ort. Da war wirklich nichts. Da standen wir nun, 3 Pfadis im Dunkeln im Nirgendwo.
Da aber die Entfernung keine allzugrosse war, machten wir uns zu Fuss auf den Weg in die Richtung wo wir eigentlich hin wollten und begannen mit der Lagerplatzsuche. Nicht so einfach, wenn die Karte einem linker Hand einen Berg und rechter Hand ein Moor anzeigt.
Es benötigte ein paar Erkundungsanläufe, speziell in absoluter Dunkelheit eine ganz spannende Sache, ehe wir, nach stolpern durch dichten, feuchten Urwald mit zentimeter dickem urigen Moos und Flechten über einen mit lauter von kleinen Büschen und Bäumen gesäumten Waldgrund schließlich einen fanden, der, so wie man das im Dunkeln sagen konnte, ganz gut aussah. Immerhin, er bot gerade so Platz für die Kothe und war auch nicht auf feuchtem Untergrund. Bei weiterer Erkundung fanden wir noch eine kleine Lichtung auf einen Trampelpfad und auch genug Brennholz für die Nacht. Einzig die Spuren auf dem Waldboden, die aussahen als ob da jemand mit einem Spielzeugbagger durchgefahren wäre waren etwas rätselhaft.
Die Kohte war schnell aufgebaut, dass Feuer brannte (und rauchte dank der feuchten Materialien auch ganz ordentlich) - aber wir hatten es warm und konnten in Ruhe Essen - das Kochen viel heute auch recht einfach aus, wir hatten ja am Vorabend nur die Hälfte geschafft, und die restlichen Nudeln gleich im Topf gelassen, so dass dieser nur noch warm gemacht werden musste.

4. November 2012

Tageslicht zeigte, dass wir erneut bei weitem nicht so abgeschieden campiert hatten wie es in der Nacht den Anschein hatte. Keine 20 Meter neben der Kothe, nur durch lichte Bewachsung getrennt, verlief die kleine Bahnlinie. Und auch wenn sie dann einmal die Stunde vorbeiratterte, störte das nicht weiter. Etwas später kam auch noch ein Waldarbeiter, der mit einer kleinen Zugmaschine Bäume aus dem Wald holte (was die Baggerspuren erklärte). Er interessierte sich aber so überhaupt nicht für uns und wir waren wahrscheinlich mehr verwundert ihn am Sonntag arbeite zu sehen als er eine Gruppe Pfadfinder aus dem Wald kommen zu sehen.
Nach dem Frühstück und einpacken, ging es also auf zur letzten Etappe bis zur Grenze, wieder bei so herrlichem Sonnenschein durch den Wald, so dass uns sehr schnell so warm wurde, dass der Helgoländer ganz schnell eingepackt werden musste.
An der Grenze haben wir dann noch die letzten Kronen auf den Kopf gehauen, Verena Bescheid gegeben, wann wir zum Abendessen aufschlagen würden und ab ging es mit dem Auto Richtung Ingolstadt.
Eine super Fahrt, geprägt von einer kleinen Unterverorgung an Tankstellen, wurde dann noch durch ein perfektes Abendessen abgerundet und es bleibt nur zu sagen, dass wir gerade erst warm geworden waren, und doch am liebsten noch ein paar Tage weitergezogen wären.

David, Gre, hoerby